Warum ich Projekte lieber klein starte
Viele digitale Projekte beginnen mit einer langen Wunschliste:
- Neue Website
- Blog
- Newsletter
- Kundenbereich
- Mehrsprachigkeit
- Schnittstellen
- Downloadcenter
- Veranstaltungskalender
- Und wenn wir schon dabei sind, vielleicht gleich noch ein paar Funktionen für die Zukunft ...
Ich kann diesen Gedanken gut nachvollziehen, denn wenn Zeit und Geld investiert werden, soll die Lösung möglichst lange halten. Trotzdem starte ich Projekte meist lieber kleiner, nicht weil ich Funktionen vermeiden möchte, sondern weil ich in vielen Jahren Projektarbeit gelernt habe, dass sich Anforderungen oft schneller verändern als geplant.
Die erste Idee ist selten die endgültige Lösung
Am Anfang eines Projekts wissen wir meist erstaunlich wenig. Natürlich gibt es Ziele, Wünsche und Vorstellungen. Aber niemand kann mit Sicherheit sagen, wie eine Website oder digitale Plattform in zwei oder drei Jahren tatsächlich genutzt wird. Neue Anforderungen entstehen, Geschäftsmodelle entwickeln sich weiter und Mitarbeiter wechseln und ein Blick in die Nutzung verrät dass Kunden anders reagieren als erwartet. Deshalb halte ich wenig davon, bereits am ersten Tag jede denkbare Funktion umzusetzen.
Komplexität kostet
Jede zusätzliche Funktion bedeutet Aufwand, nicht nur während der Entwicklung sondern auch danach, denn mehr Funktionen bedeuten oft:
- mehr Pflege
- mehr Tests
- mehr Schulung
- mehr Fehlerquellen
- höhere Kosten bei zukünftigen Änderungen
Deshalb versuche ich, zu Beginn vor allem die Funktionen umzusetzen, die einen klaren Nutzen haben.
Schnell online bringt oft mehr Erkenntnisse
Eine Website auf dem Papier ist etwas anderes als eine Website im Alltag. Erst wenn Besucher sie nutzen, zeigt sich, was wirklich wichtig ist, nämlich welche Inhalte gelesen werden, welche Fragen auftauchen und welche Funktionen tatsächlich verwendet werden. Deshalb finde ich es oft sinnvoller, früher online zu gehen und aus realen Erfahrungen zu lernen, statt monatelang über theoretische Anforderungen zu diskutieren.
Wachstum statt Perfektion
Viele Projekte werden mit dem Ziel gestartet, sofort die perfekte Lösung zu schaffen.
Meine Erfahrung ist eine andere, denn erfolgreiche digitale Projekte entwickeln sich Schritt für Schritt, sie wachsen, neue Funktionen kommen hinzu, bestehende Bereiche werden verbessert und manches verschwindet wieder.
Genau deshalb bevorzuge ich Systeme und Konzepte, die solche Entwicklungen unterstützen.
Weniger Entscheidungen, mehr Fortschritt
Ein weiterer Vorteil kleiner Projektstarts: Die Zahl der Entscheidungen sinkt. Denn wer versucht, jede mögliche Funktion bereits in der ersten Phase zu planen, verbringt oft viel Zeit mit Diskussionen: Welche Varianten werden benötigt? Welche Sonderfälle müssen berücksichtigt werden? Welche Funktionen könnten irgendwann relevant werden?
Dadurch wird ein Projekt nicht automatisch besser, häufig wird es dadurch nur langsamer.
Das Wichtigste zuerst
Bei neuen Projekten konzentriere ich mich gerne auf die zentrale Frage: Was muss vorhanden sein, damit die Website ihren Zweck erfüllt?
Oft ist die Antwort überraschend überschaubar: Klare Inhalte, eine verständliche Struktur, eine gute Darstellung auf Mobilgeräten und nicht zuletzt einfache Kontaktmöglichkeiten.
Mehr wird für einen erfolgreichen Start häufig gar nicht benötigt.
Später erweitern statt früh überladen
Klein zu starten bedeutet nicht, klein zu bleiben. Im Gegenteil. Es bedeutet, Erweiterungen dann umzusetzen, wenn ihr Nutzen klar erkennbar ist, denn dadurch entstehen Lösungen, die näher an den tatsächlichen Anforderungen liegen und oft wirtschaftlicher sind.
Was das mit meiner Arbeitsweise zu tun hat
In vielen Projekten plane ich deshalb bewusst Entwicklungsmöglichkeiten ein. Die technische Grundlage sollte wachsen können. Aber die erste Version muss nicht jede spätere Idee bereits enthalten.
Dieser Ansatz hat sich für viele Unternehmen bewährt da die Website schneller verfügbar ist, Investitionen sich über einen längeren Zeitraum verteilen und Entscheidungen auf Basis realer Erfahrungen getroffen werden können.
Fazit
Digitale Projekte müssen nicht am ersten Tag perfekt sein. Sie müssen ihre Aufgabe erfüllen. Deshalb starte ich Projekte lieber klein, überschaubar und mit einem klaren Fokus. Neue Funktionen können später ergänzt werden. Erfahrungen lassen sich sammeln und Anforderungen werden mit der Zeit und den Erfahrungen konkreter.
Und am Ende entsteht oft eine bessere Lösung als bei dem Versuch, von Anfang an alles zu planen. Manchmal ist der kürzeste Weg zu einem erfolgreichen Projekt nicht der große Wurf, sondern ein guter erster Schritt.