Pimcore oder OpenDXP?
Gemeinsame Wurzeln, unterschiedliche Wege: Pimcore und OpenDXP entwickeln sich aus derselben technischen Basis in unterschiedliche Richtungen.

Pimcore oder OpenDXP?

Mit OpenDXP gibt es seit einiger Zeit eine Alternative zu Pimcore, die auf den ersten Blick wie ein weiteres PIM-, CMS- oder DXP-System wirken könnte.

Tatsächlich ist die Beziehung zwischen beiden Systemen wesentlich enger.

OpenDXP ist aus der bisherigen Open-Source-Version von Pimcore hervorgegangen. Vereinfacht gesagt: Ausgangspunkt von OpenDXP war Pimcore 11. Diese gemeinsame technische Basis wird nun unter dem Namen OpenDXP eigenständig weiterentwickelt.

Damit stehen Unternehmen und Entwickler heute vor einer interessanten Frage:

Pimcore oder OpenDXP – welcher Weg ist für ein Projekt der richtige?

Eine gemeinsame Basis, zwei unterschiedliche Wege

Um den Unterschied zu verstehen, hilft ein Blick auf die Entwicklung.

Pimcore wurde über viele Jahre als Open-Source-Plattform unter GPLv3 entwickelt. Mit den neueren Pimcore-Versionen hat sich nicht nur die Software weiterentwickelt, sondern auch das Lizenz- und Geschäftsmodell verändert.

OpenDXP setzt an der bisherigen Open-Source-Basis an und entwickelt diese als eigenständiges Projekt unter GPLv3 weiter.

Vereinfacht lässt sich die Entwicklung deshalb als Weggabelung darstellen:

Pimcore 11 → Pimcore 12 und folgende Versionen

Pimcore 11 → OpenDXP und folgende Versionen

OpenDXP ist damit kein von Grund auf neu entwickeltes Konkurrenzprodukt. Beide Systeme haben gemeinsame Wurzeln und entsprechend viele technische Gemeinsamkeiten.

Was bleibt gleich?

Wer bereits mit Pimcore gearbeitet hat, findet sich deshalb auch in OpenDXP schnell zurecht.

Die grundlegenden Konzepte für die Verwaltung von Inhalten, Assets und strukturierten Daten sind vertraut. Auch technologisch bewegen sich beide Systeme weiterhin in einer PHP- und Symfony-basierten Umgebung.

Gerade bei bestehenden Pimcore-Projekten ist das von Bedeutung: Ein Wechsel zu OpenDXP ist etwas anderes als die Migration auf ein vollständig anderes CMS oder PIM-System.

Wo unterscheiden sich Pimcore und OpenDXP?

Der vielleicht wichtigste Unterschied liegt heute weniger in der Herkunft der Software als in der Ausrichtung der beiden Projekte.

Pimcore verfolgt inzwischen ein Open-Core-Modell mit unterschiedlichen Editionen. Neben einer Community Edition gibt es kommerzielle Professional- und Enterprise-Angebote mit zusätzlichen Leistungen und Funktionen.

OpenDXP setzt dagegen weiterhin auf das klassische Open-Source-Modell unter GPLv3.

Daraus ergeben sich unterschiedliche Vor- und Nachteile.

Was spricht für Pimcore?

Pimcore ist das etabliertere Produkt. Das System wird seit vielen Jahren eingesetzt, verfügt über eine große Zahl bestehender Installationen und hinter der Software steht ein Unternehmen mit kommerziellen Angeboten.

Für größere Unternehmen können insbesondere professioneller Herstellersupport, definierte Supportmodelle, Enterprise-Funktionen und langfristige Planungssicherheit wichtige Argumente sein.

Wer eine unternehmenskritische Plattform betreibt und hierfür bewusst einen kommerziellen Hersteller als Vertragspartner haben möchte, findet bei Pimcore entsprechende Angebote.

Auch die Bekanntheit von Pimcore und das über Jahre entstandene Ökosystem sprechen für das System.

Was spricht gegen Pimcore?

Mit der Weiterentwicklung von Pimcore hat sich das Lizenzmodell verändert.

Die aktuelle Community Edition steht nicht mehr unter derselben klassischen Open-Source-Lizenz wie frühere Pimcore-Versionen. Für die kostenlose kommerzielle Nutzung gelten Bedingungen, und je nach Unternehmensgröße und benötigtem Funktionsumfang können kommerzielle Lizenzen erforderlich werden.

Für große Unternehmen kann dies im Verhältnis zum Gesamtprojekt eine überschaubare Investition sein.

Bei kleineren und mittleren Projekten stellt sich dagegen die Frage, ob ein kommerzielles Lizenzmodell überhaupt benötigt wird und welchen Mehrwert die damit verbundenen Leistungen für das konkrete Projekt bieten.

Was spricht für OpenDXP?

OpenDXP bleibt unter der Open-Source-Lizenz GPLv3 verfügbar.

Es gibt damit keine von Unternehmensumsatz oder Edition abhängigen Lizenzkosten für die Nutzung der Software.

Gleichzeitig beginnt OpenDXP nicht bei null. Durch die gemeinsame Herkunft mit Pimcore steht bereits eine umfangreiche und in der Praxis über viele Jahre erprobte technische Basis zur Verfügung.

Das macht OpenDXP insbesondere für Unternehmen interessant, die die Möglichkeiten einer Plattform wie Pimcore benötigen, aber Wert auf eine klassische Open-Source-Lösung legen.

Auch für bestehende Pimcore-Projekte kann OpenDXP interessant sein, weil für einen Wechsel nicht zwangsläufig eine komplett neue technische Plattform eingeführt werden muss.

Was spricht gegen OpenDXP?

OpenDXP ist als eigenständiges Projekt deutlich jünger als Pimcore.

Damit fehlt naturgemäß die langjährige Historie, die Pimcore vorweisen kann. Auch das Ökosystem ist derzeit kleiner.

Bei bestehenden Projekten muss außerdem geprüft werden, welche Erweiterungen eingesetzt werden und ob diese unter OpenDXP verfügbar sind oder angepasst werden müssen.

Und wie bei jedem Open-Source-Projekt hängt die langfristige Entwicklung davon ab, wie aktiv Entwickler, Unternehmen und Community das Projekt unterstützen.

Die technische Nähe zu Pimcore ist deshalb ein großer Vorteil – sie ist aber keine Garantie dafür, dass sich beide Systeme auch in Zukunft parallel entwickeln werden.

Für wen eignet sich Pimcore?

Pimcore halte ich insbesondere dann für interessant, wenn ein Unternehmen die kommerziellen Angebote bewusst nutzen möchte.

Das betrifft beispielsweise größere oder geschäftskritische Installationen, bei denen Herstellersupport, Enterprise-Funktionen oder entsprechende Service- und Supportvereinbarungen eine wichtige Rolle spielen.

In diesem Umfeld können die Kosten einer kommerziellen Pimcore-Edition gegenüber den Vorteilen zweitrangig sein.

Für wen eignet sich OpenDXP?

OpenDXP ist aus meiner Sicht besonders interessant für kleine und mittlere Unternehmen sowie für individuell entwickelte Websites und Webanwendungen, bei denen die Möglichkeiten der bisherigen Pimcore-Plattform genutzt werden sollen, ohne dafür ein kommerzielles Lizenzmodell zu benötigen.

Interessant ist OpenDXP außerdem für bestehende Pimcore-Installationen. Aufgrund der gemeinsamen technischen Herkunft kann die Fortführung auf OpenDXP eine Alternative zum Versionswechsel innerhalb von Pimcore sein.

Meine Einschätzung

Ich arbeite seit vielen Jahren mit Pimcore und habe das System gerade deshalb eingesetzt, weil sich damit weit mehr als klassische Websites entwickeln lassen.

Die Entscheidung zwischen Pimcore und OpenDXP würde ich deshalb nicht ideologisch treffen.

Pimcore ist nicht plötzlich das schlechtere System, weil sich sein Geschäftsmodell verändert hat. Für bestimmte Unternehmen kann gerade das professionelle und kommerzielle Umfeld ein Argument für Pimcore sein.

Genauso wenig ist OpenDXP lediglich eine kostenlose Pimcore-Alternative.

Mit OpenDXP wird die bisherige Open-Source-Linie auf gemeinsamer technischer Grundlage eigenständig weitergeführt. Für Projekte, die keinen kommerziellen Herstellervertrag benötigen, finde ich diesen Ansatz ausgesprochen interessant.

Ich habe inzwischen auch einige wenige bestehende Pimcore-Anwendungen auf OpenDXP umgestellt. Meine bisherigen praktischen Erfahrungen damit sind sehr positiv.

Deshalb werde ich bei neuen Projekten und bei anstehenden Aktualisierungen bestehender Pimcore-Installationen künftig beide Möglichkeiten betrachten.

Die entscheidende Frage lautet für mich nicht:

Welches System ist besser?

Sondern:

Welches Modell passt besser zum Unternehmen und zum jeweiligen Projekt?